Schwerpunkte der UNESCO-Arbeit am ERG

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Die UNESCO-Projektschulen

bilden ein internationales Netzwerk, das an den Zielsetzungen der UNESCO mitwirkt. Sie orientieren ihr Schulleben innerhalb und außerhalb des Unterrichts in besonderer Weise an einer Kultur des Friedens, der internationalen Verständigung und des Zusammenlebens in kultureller Vielfalt. Schwerpunkte der Arbeit sind dabei:

  • die Menschenrechtsbildung und Demokratieerziehung,
  • das Interkulturelle Lernen und Zusammenleben in Vielfalt,
  • die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung,
  • das Globale Lernen und die Friedenspädagogik (Global Citizenship),
  • Freiheiten und Chancen im digitalen Zeitalter sowie
  • das UNESCO-Welterbe.

Am Erasmus-Reinhold-Gymnasium

gab es seit seiner Gründung im Jahre 1990/91 zahlreiche Projekte und Initiativen, die sich das Ziel setzten, die Menschrechte aktiv zu vertreten, Armut und Elend in der Welt zu bekämpfen, Verständnis für verschiedene Lebensweisen von Menschen zu entwickeln und die Umwelt zu schützen und zu bewahren. Daher arbeiten wir seit 1997 im weltweiten Netz der UNESCO-Projektschulen mit und erhielten im Jahre 2003 den Titel einer „Anerkannten UNESCO-Projektschule“.

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Verleihung der Titels „UNESCO-Projektschule“ am 24.Juni 2003 im Festsaal des Saalfelder Stadtmuseums.

Foto: Jahrbuch Erasmus-Reinhold-Gymnasium 2002 / 2003

Das UNESCO-Team am ERG

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versteht sich als Gremium, das neue Ideen entwickelt, aufgreift und Vorschläge zur Umsetzung in der Schule macht. Parallel werden alle Projekte und Vorhaben wie die Gestaltung der UNESCO-Projekttage in der Schülersprecherversammlung und in den Klassen diskutiert und vorbereitet. Das UNESCO-Team setzt sich derzeit zusammen aus dem Schul-Koordinator (Dr. Ingo Lokies), der Schulleiterin (Monika Tippelt) und fünf Mitgliedern aus dem Kollegium (Synke Blume, Alexandra Fiebrich, Katharina Gräf, Michael Selch, Diana Wagner).

In Verlauf der schulischen Entwicklung und entsprechend der Themensetzung durch die UNESCO haben sich an unserer Schule sechs besondere Bereiche der UNESCO-Arbeit ergeben.

1.  Schulpartnerschaft mit dem Gymnasium in Samaipata und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in Bolivien

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Klassenraum in unserer Partnerschule

Im Sommer 1990 machten sich die beiden Saalfelder Peter Glöckner und Axel Brümmer auf eine Radtour um die Welt. Links und rechts der Straße sahen sie auf ihrer Reise viel Armut und Elend, doch besonders erschütterte die beiden das Leben der Straßen- und Waisenkinder in Bolivien. Zu Hause in Saalfeld angekommen, machten sie in ihren Reisevorträgen auf die Lebensumstände der Kinder in Bolivien aufmerksam. Das soziale Engagement von Brümmer und Glöckner führte dazu, dass noch im Jahre 1996 eine Städtepartnerschaft zwischen Saalfeld und Samaipata vereinbart und im Jahr darauf der Unterstützungsverein „Saalfeld-Samaipata“ gegründet wurde. Eine Schülerin des Reinholdgymnasiums stellte 1996 den Kontakt mit dem Abendgymnasium „Florida“ her. Rasch vertieften sich die Beziehungen beider Schulen, so dass schon im folgenden Jahr eine Partnerschaft vereinbart wurde.

Inzwischen sind 20 Jahre vergangen und vieles ist seitdem passiert: Es gab zahlreiche Hilfsaktionen, Briefkontakte entstanden, Fernschach wurde per Internet ausgetragen und auch Gäste aus Samaipata konnten an unserer Schule begrüßt werden. Immer wieder sind auch Schüler aus Saalfeld vor Ort in Samaipata und übergeben weitere Spenden. Jährlich wird zu Weihnachten durch unser Gymnasium ein großes Benefizkonzert ausgerichtet, dessen Erlös dem Gymnasium „Florida“ und dem Kinderheim „Mano Amigo“ zugute kommt. Im Laufe der Jahre konnten allein durch diese Konzerte ca. 20.800,- Euro gespendet werden (Stand 2015)

2. Zusammenarbeit mit der Förderschule „Jettina Schule Gorndorf“

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Im Zuge schulübergreifenden Handelns arbeitet bereits seit vielen Jahren jeweils immer eine Schulklasse am Erasmus-Reinhold-Gymnasium intensiv mit der Jettina Schule in Gorndorf zusammen. Schüler unserer Schule haben so die Möglichkeit, den schulischen Alltag von Kindern mit förderpädagogischem Unterstützungsbedarf kennenzulernen. Zusammen werden z.B. Feste gefeiert, man nimmt gegenseitig am Unterricht der anderen Schule teil oder Projekttage werden gemeinsam gestaltet. Diese kooperative Zusammenarbeit soll dazu beitragen, dass Jugendliche Sozial- und Selbstkompetenzen entwickeln und sich im späteren Leben für schwächere Mitmenschen einsetzen.

3. Schüleraustausch mit dem Collège in Senlis in Frankreich

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Seit dem Schuljahr 2012/2013 führt das ERG einen Schüleraustausch mit dem Collège ‚Albéric Magnard‘ in Senlis (Picardie) durch. Jährlich zwei Mal kommen 25 bis 30 deutsche und ebenso viele französische Schüler für je eine Woche zusammen, um miteinander und voneinander zu lernen und die jeweils andere Kultur besser kennenzulernen. Dabei stehen neben der Teilnahme am Unterricht auch gemeinsam durchgeführte Workshops und ein Sportfest an der Schule im Mittelpunkt. Am Nachmittag besuchen die Schüler die Saalfelder Feengrotten und lernen die Stadt bei einer französischen Stadtführung kennen, die von Schülern des ERG durchgeführt wird. Aber auch Erfurt, Jena und andere Städte Thüringens stehen auf dem Programm und werden gemeinsam auf deutsch und französisch erkundet. Nach einem gemeinsamen Abschlussfest mit allen beteiligten Schülern, Eltern und Lehrern starten die Schüler in ein gemeinsames Wochenende mit ihrer Gastfamilie, bevor es im Reisebus wieder 12 Stunden lang Richtung Heimat geht: ‚Bis zum nächsten Jahr‘ – Rendez-vous l’année prochaine!‘

4. ERG als Schule in der Region

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Der ehemalige Schulleiter Dr. Wolfgang Müller als Erasmus Reinhold d.Ä. beim Festumzug zur 1100-Jahrfeier der Stadt Saalfeld im Jahre 1999

Das ERG bemüht sich um eine intensive Zusammenarbeit mit den kommunalen Verwaltungsebenen sowie Einrichtungen und Betrieben durch vielfältige gemeinsame Projekte. Mit der Thüringenklinik und der Firma Trumph Medical in Saalfeld wurden Kooperationsverträge geschlossen. Partnerschaften bestehen zwischen dem ERG und den Saalfelder Grundschulen. In Zusammenarbeit mit der Caritas Saalfeld wird ein Schülerfreiwilligentag durchgeführt, bei dem freiwillige Dienste im Ausland vorgestellt werden. Des weiteren beteiligt sich das ERG an dem Thüringer Bildungsmodell „Neue Lernkulturen in Kommunen“ (nelecom), mit der die Partizipation von Jugendlichen am kommunalen Geschehen gestärkt werden soll. So arbeiten Schüler des ERG u. a. im Kinder- und Jugendausschuss der Stadt Saalfeld mit oder beteiligen sich an der Organisation von Veranstaltungen und Stadtfesten. Durch die Mitarbeit im nelecom-Projekt ist innerhalb unserer Schule auch das sogenannte „Schoko“ (Schulorganisations-Komitee) hervorgegangen, das  z.B. die Ausrichtung von Schulfeiern gestaltet.

5. Arbeit mit dem UNESCO-Welterbe und geschichtlichen Denkmalen in Thüringen

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Das UNESCO-Weltkulturerbe ist ein wichtiger Schwerpunkt im Unterricht in den Fächern Deutsch, Kunst und Geschichte sowie in der freien Projektarbeit. Vor allem steht dabei das Thüringer Weltkulturerbe im Vordergrund: das Klassische Weimar, die Stätten des Bauhauses und die Wartburg. So sind zum Beispiel Theaterbesuche in Rudolstadt und Weimar seit vielen Jahren zu einer festen Tradition geworden. Schüler besuchen im Rahmen des Deutschunterrichtes die Wirkungsstätten Schillers und Goethes in Rudolstadt, Jena und Weimar. Im Kunstunterricht setzen sich Schüler mit dem Design und der Architektur des Bauhauses auseinander. Das Fach Geschichte setzt einen Schwerpunkt auch in der Regional- und Heimatgeschichte. In Klasse 7 wird eine Stadtexkursion zur mittelalterlichen Geschichte durchgeführt; in Klasse 8 das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig oder die Wartburg in Eisenach besucht. Eingebettet in das Pro-ERG Projekt „Für eine rassismusfreie Gesellschaft“ führt die sogenannte „Buchenwaldgruppe“ aus der der 11. und 12. Klasse jedes Jahr Mädchen und Jungen der 10. Klassen durch die Gedenkstätte, um an die Opfer zweier Diktaturen zu erinnern und einen Beitrag gegen das Vergessen zu leisten.

6. Ausgestaltung der UNESCO-Projekttage

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Klasse 5 bei der Projektarbeit

Ein wichtiger Baustein des Schulprofils und der Projektarbeit am ERG ist die Teilnahme am „Internationalen Projekttag der Solidarität“. Dieser ist aus einer Solidaritätsaktion am 26. April 1996 hervorgegangen, dem zehnten Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Der Projekttag findet alle zwei Jahre statt und steht immer unter einem Rahmenthema, das von einer Fachtagung der UNESCO-Projektschulen beschlossen wird. Die Schüler und Lehrer des Reinholdgymnasiums setzen sich nicht nur am 26. April, sondern in drei Projekttagen intensiv mit dem vorgegebenen Thema auseinander. Projektideen der Klassen oder Klassenstufen werden dabei gemeinsam im Vorfeld von Lehrern und Schülern diskutiert und langfristig vorbereitet. Am Abschlusstag des Gesamtvorhabens werden in der Regel die Arbeitsergebnisse anderen Schülern vorgestellt und der Öffentlichkeit präsentiert.

http://www.ups-schulen.de/